Montag, 9. Mai 2016

der Umfang elterlicher Liebe

Heute mittag fragte ich meinen, durch DHL in den Stand meines Lieblingsnachbarn erhobenen, Unterbarn - er wohnt nicht neben mir, sondern direkt unter mir, ob er Lust hätte, Spargel zu schälen.
Etwas ratlos und vermutlich der Frage wegen verunsichert, schaute er mich an, und sagte, dass er gern ein paar Detailinformationen zu meiner Frage hätte.
Ich erklärte Ihm, dass ich gestern von einem Familientreffen zurückgekommen sei und von meinen Eltern zur Abreise Spargel geschenkt bekommen hätte, dieser sei vermutlich sogar bereits geschält.
Meine Mutter schälte damals am Gemüsestand der Familie den Spargel für die Kunden, so sie es denn wünschten. Dadurch wurde sie unglaublich schnell - Übung macht die Meisterin und wir verkauften mehr vom erste-Wahl-Spargel.
Ich hätte das mit dem Schälen nicht erzählen sollen, der Spargel, den meine Eltern mir schenkten was gar nicht geschält! Ich schenkte ihm trotzdem eine Hand voll Stangen.
Als meine Eltern mir den Spargel schenkten spürte ich den ganzen Umfang elterlicher Liebe: Ist das auch genug? ich wickle dir die Stangen in ein feuchtes Tuch, die bleiben besser frisch. Flasche Weisswein? hast du Kartoffeln?
Seit Friedrich dem Großen haben wir in Berlin auch Kartoffeln entgegnete ich heiter.
Heute dann die große Enttäuschung - der Spargel war gar nicht geschält...
Und ich hätte gern etwas Schnittlauch und Petersilie über den Teller gestreut, als Spargel, Kartoffeln und Hollandaise fertig angerichtet waren.
Wenn ich meine Mutter anrufe und Ihr erzähle, dass Schnittlauch und Petersilie gefehlt haben, hat sie bestimmt sogar auch noch ein schlechtes Gewissen.
Ich sag's ihr nicht. 
Jüngst las ich: "Die Liebe des Kindes zur Mutter ist eine Sonderform des Stockholmer Syndroms".
Mag sein, aber warum lieben Eltern ihre Kinder?
Ist der Grund für das Füttern vielleicht der gleiche, wie der aus der Geschichte von Hänsel & Gretel?
Ich hoffe, dass es andere Gründe gibt.