Freitag, 30. September 2016

Flüchtlingswelle vor 27 Jahren

Ich erinnere mich noch recht genau diese ergreifenden Szenen aus der Bundesdeutschen Botschaft in Prag.
Der Welt schönste Erleichterungsschrei bricht den Satz "wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise[...]"
Ich hatte damals noch nicht einmal ein Drittel meines heutigen Alters erreicht und war ganz ergriffen, von dem, was sich bewegte.
Auch für den in Halle geborenen Hans-Dietrich Genscher war es "die bewegendste Stunde in meiner ganzen politischen Arbeit."

Jan Liwacz

Ganz in der Nähe der Berliner Gedächtnis-Kirche steht ein sonderbarer Buchstabe.
Dieser ist einem Großen B nicht unähnlich.
Er ist aus Metall und es steht International Auschwitz Committee darauf.
Nicht allein zu Ehren des großen deutschen Musikers Herbert Grönemeyer fragte ich mich "was soll das?"
B_iac
Die Antwort darauf ist eine recht interessante Geschichte: Den berühmt gewordenen Schriftzug über dem Tor des Konzentrationslagers Auschwitz "Arbeit macht frei" mussten die Ersten dort Inhaftierten selber herstellen, der häftling und Kunstschmied Jan Liwacz drückte mutig seinen Protest durch dieses fehlerhafte "B" aus.
https://wikimedia.org/Arbeit-auschwitz.jpg

Europa bröckelt und Boxen

Hat eigentlich außer mir noch jemand das Gefühl, daß die Europäische Union, der gemeinsame europäische Gedanke, bröckelt?
Man merkt es an Kleinigkeiten, wie z.B. bei meinem heutigen Einkauf im KaDeWe. Ich war auf der Suche nach einem leckernen Weichkäse und fragte nach Chaource, "da müssen sie zum Franzosen gehen!" antwortete mir die Frau hinter der Käsetheke, und erweiterte ihren Satz durch "Da Drüben!" als ich sie fragend ansah.
wenigstens musste ich auf dem Weg zum französischen Käsestand nicht die Maginot-Linie queren oderso - dort, am französischen Käsestand, hatten sie aber auch keinen Chaource für mich.
Wenn ich schon einmal hier bin, dachte ich, könnte ich ein neues zu Hause für mein Müsli kaufen, so etwas wie eine hübsche luftdichte Vorratsdose.
Die Suche danach gestaltete sich jedoch so anstrengend wie nervig "Wir sortieren hier nach Marken, nicht nach Funktion" erklärte mir ein Verkäufer.
Wie kaufen die Leute heute ein? wird nur noch nach Marke gekauft, und das Produkt ist egal?
Scheuen Vorratsbehälter den Direkten Vergleich?
Ich hätte am liebsten thematisch sortierte Bereiche und die Vorratsboxen könnten gegeneinander antreten, wie beim echten Boxen.

kon-JUNK-tiv

Den heutigen Vormittag verbrachte ich Ubahnisierend, also im unterirdischen ÖPNV mit Sudoku und Berliner Fenster, dem berliner U-Bahn-TV.
Im Berliner Fenster präsentiert die kleine Schwester Der Bild-Zeitung, BZ, Lokalnachrichten.
Heute unter anderem:
"Wenn es nach dem Gesetz geht, dürfte es in Berlin gar keine ilegalen Ferienwohnungen geben."
Müsste dieser Satz, sauber formuliert, nicht anders lauten? und zwar so:
"Wenn es nach dem Gesetz ginge, dürfte es in Berlin gar keine ilegalen Ferienwohnungen geben."
Desweiteren überrascht mich kaum, dass es nach dem Gesetz nichts ilegales geben darf.
Dann verschwand die Nachricht und machte Platz für Gerüchte um Brad Pitt, meine Aufmerksamkeit wollte, dass ich sie jetzt wieder auf mein Sudokuheft lenke.
Auch wenn der Konjunktiv das englische Wort Junk enthält, darf man ihn nicht wie Abfall behandeln.

Donnerstag, 29. September 2016

Disziplin

Gestern hatte Max Schmeling Geburtstag. 
Der vor elf Jahren im Alter von 99 verstorbene Profiboxer wurde, der Pfiffige ahnt es schon, fast 100 Jahre alt - 238 Tage fehlten.
Gestern hätte der Schwergewichtsboxer seinen 111 Geburtstag feiern dürfen.
Ich plante, der nach ihm benannten Sporthalle in der Nähe, zu besuchen, und Blumen hinzulegen, mit Kreide auf dem Platz vor der Max-Schmeling-Halle einen Geburtstagsgruß zu hinterlassen.
Die Betreiber solcher Gebäude verlässigen die Beziehung zu ihrem Namensgeber oft nach.
Aber ich vergaß bis zum Abend, was ich mir am Morgen vorgenommen hatte.
Lieber Max, in zwölf Jahren zu deinem 123. bin ich da! das nehme ich mir fest vor.
Zwischen Heute und dem 123. Geburtstag von Max Schmeling liegen noch 4.382 Tage.
Am besten wär's, kaufte ich mir 4.382 Schokolinsen und äße jeden Tag zum Frühstück eine.
An dem Tag, an dem ich die letzte esse, besuche ich die nach dir benannte Halle, lieber Max, das verspreche ich!
Jeden Tag eine, und zwar nur eine, Schokolinse essen, und auch nie keine, dazu braucht ein Mensch Disziplin, und hätte ich Disziplin, wär ich gestern mit einer Blume und einem Stück Kreide an der Max-Schmeling-Halle gewesen.
Ich beschließe das Vorhaben aufzugeben, und bin zufrieden damit, dem Max S. heute 30 Zeilen gewidmet zu haben.

Montag, 26. September 2016

post mortem

Gruselige mystery-Neuigkeiten den Fall des berliner Abgeordneten Gerwald Claus-Brunner betreffend.
Auf focus.de las ich, daß der Piraten-Politiker offenbar einen Tag nach seinem Tod das Profil seiner Dating-Website besuchte:
Im Fall Gerwald Claus-Brunner kommen weitere Details zum Privatleben des Piraten-Politikers ans Licht. Der 44-jährige hatte dort einen 29 Jahre alten Mann und dann sich selbst getötet. Jetzt kommt heraus: Am Tag danach besuchte er sein Profil auf einer Dating-Website.

Freitag, 23. September 2016

Alpha und Omega

Alpha, der erste und Omega, der letzte Buchstabe des altgriechischen Alphabets , sind der Ursprung der Redewendung das A und das O sein.
Ursprung ist ein Vers der Bibel - Offenbarung 22:13:
"Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte."
Wär ich Politiker und hieße Andreas Otto, dann wär das A&O ganz sicher im Repertoire meiner Wahlkampfsprüche.