Donnerstag, 16. April 2015

gefährliche Informationsarmut

Ich erinnere mich noch überraschend gut an eine Geschichte, die ich zu Schulzeiten im Ramen des Unterrichts in einer fremden Sprache zu lesen hatte.
Vermutlich erinnere ich mich so gut, weil ich mich sehr darüber amüsierte.
 Der Name der Geschichte ist: "men of few words"
Sie handelt von zwei Farmern, von denen einer den Anderen eines Tages fragte, was er denn seinem Pferd gegeben hätte, als es eine Kolik hatte.
"Terpentin" antwortete der andere Farmer.
Als sich die Farmer ein paar Tage später erneut treffen, berichtet der eine dem anderen, dass er seinem Pferd nun auch Terpentin gegeben hätte, es aber trotzdem gestorben sei.
"Meins auch" erwidert der andere Farmer.

Diese Geschichte würde auch gut in meine norddeutsche Heimat passen.
Ähnliches erfuhr ich brühwarm aus meinem Elternhaus:
Mein Vater fragte beim Abendbrot meine Mutter, warum sie schon wieder Leberwurst gekauft habe.
"Weil du die immer so gern isst." antwortet diese.
"Ich esse die nicht gern!"
"Aber du isst doch jeden Abend davon.."
"Ich esse die, damit sie weg ist, und ich sie dann nicht mehr essen muss."

Ganz ähnlich verhält es sich mit meinem Sohn marinero, der den Käse, den er sich nach dem probieren an der Käsetheke ausgesucht hatte, dann zu Hause nicht mehr mochte.
"Wenn die Frau so nett ist, und mich von dem Käse probieren lässt, kann ich ihr doch nicht einfach so sagen, dass der nicht schmeckt!"
 
Minimalkommunikation spart Zeit, Buchstaben oder gar Geld - charakteristisch für sie ist jedoch auch ihre gefährliche Informationsarmut.

Dienstag, 3. Februar 2015

Haute Couture

Heute war ich beim Hautarzt. 
Ich hatte an meines linken Fusses Sohle Warzen gefunden, von denen  ich mich gern trennen würde.
In der Praxis des Hautarztes beeindruckte mich das Deckblatt einer Bröschüre, die zu Hautkrebsvorsorge wirbt:
flecken
Hier ist der richtige Platz ein kleines Gedicht aus einem Kalender in Buchform präsentieren.
Ich zitiere das Gedicht 
"Überdosis"
 aus "Lach mit 1967"
Eines Tags 'ne Dame fand
daß sie hat Warzen an der Hand.
Da gab ihr jemand den Rat:
Sie soll auf dunklem Waldespfad
schweigend weisse Kieselsteine
für jede ihrer Warzen einen
bei Vollmond in 'nen Graben rollen.
wodurch die Warzen weichen sollen.
Die Dame tat's, sie ging bei Nacht -
zählt ihre Warzen - 's waren acht.
Dann rollte sie mit Kieselsteinen 
für jede ihrer Warzen einen.
Doch als der achte war vorbei,
da rollt die Dame nochmals zwei,
zwecks Sicherheit auch diese noch
in ein finsteres Grabenloch.
Doch zählten auch zu dem Verlust
jene Warzen auf der Brust!

Schon Wilhelm Busch tat es uns kund:
"Allzuviel ist ungesund"

Sonntag, 1. Februar 2015

Fragen zur Nacht

Heute präsentiere ich einen Text, den heute ich in der Memo-Funktion meines Mobiltelephons fand, und kurz hierher übertrug. Auf der Suche nach Schlaf  scheine ich das Telephon immer wieder für Recherchen benutzt zu haben, um Antworten auf Fragen zu finden, die sich vielleicht jeder vor dem Einschlafen stellt:
Wenn ich nachts nicht schlafen kann...
Wann hat die SPD eigentlich den Sozialismus aufgegeben? war das das Bad Godesberger Programm?  ich schau mal. stimmt. War erst 1959. aber Godesberg und nicht Bad Godesberg. Wie komme ich denn auf Bad? bestimmt durch Wildbad Kreuth, wo die Csu vor langer langer Zeit mal den Sozialismus aufgegeben hat. Und warum WILDbad? und Kreuth oder Greut? Oh Gott, hier ist eine Mücke. Ich hör' sie summen. Wenn's still wird ist sie gelandet und will Blut saugen. Aber jetzt zu dieser Jahreszeit? Die sollte längst tot sein!
Hat sie in meiner Wohnung überlebt? immer wenn sie aufhört zu summen bewege ich mich, um sie aufzuschrecken. Das scheint zu helfen, dann summt es wieder. Wann wurde eigentlich der letzte Quastenflosser aus dem Meer geholt? Aha, 1938! 
Ist das wieder die Mücke? am besten ich hör' mal auf zu atmen und horche, vielleicht kann ich sie dann orten. Oh, das ist die Nase meines Sohnes, der neben mir liegt. Die macht diese Geräusche.
Verwirrend! 
Das ähnelt nichteinmal annähernd einem Schnarchgeräusch. Dieses liegt irgendwo inmitten eines Dreiecks aus Atmen, Summen und Pfeifen.
Kreuth, es ist Wildbad Kreuth! Warum WILDbad? Die feinen Herren kurten wohl hier und gingen zur Erholung etwas jagen.

Donnerstag, 22. Januar 2015

Waschtag

"Entschuldigen Sie? Ich wasche heute zum ersten Mal selber meine Wäsche. Können Sie mir da helfen?" spricht ein junger Mann mich im Supermarkt an.
"Klar!" antworte ich, und freue mich nicht nur darüber, dass ich als Experte wahrgenommen werde, sondern auch darüber dass meine Kleidung, zumindest auf den ersten Blick, anscheinend einen gut gewaschenen Eindruck macht - warum sonst hätte der junge Mann mich ausgewählt?!
"Was brauch' ich dafür?"
"Dreckige Wäsche." denke ich und schaue ihn fragend an.
"Brauch' ich dafür diese Perlen, und dann mit Color?"
Ich stutze. 
Als ich fertig gestutzt hatte, schaute ich mir das Regal mit den verschiedenen Waschmitteln an vor dem wir standen. Niemals vorher hatte ich wahrgenommen, was für ein reichhaltiges Sortiment an Waschmitteln hier angeboten wird. 
Alle scheinen ganz gewisse Fähigkeiten zu haben und überbieten einander mit Duft und Wirksamkeit.
Wie soll ein Waschmittel  die Farbe der Textilien erkennen, die es wäscht?
"Ich nehm' immer diese Discountmarke hier." sage ich und zeige in Richtung des untersten Regals mit den schmucklosen Tüten auf denen "Waschpulver" steht.
"OK! vielen Dank" bedankt sich der junge Mann und greift sich einen Beutel des günstigsten Waschmittels.
Ich wünsche Ihm, das er das Sortieren und Taschentücher und Münzen aus den Taschen nehmen schon mal irgendwo gelernt hat.
Hätte ich ihm Weichspüler empfehlen sollen?
Ich nehm' doch auch keinen!
und dann bekomme ich natürlich Selbstzweifel:
Wasche ich richtig?
Habe ich das jemals gelernt?
Ich nehme diese anti-Kalk-Tabs fällt mir gerade beim Schreiben ein. Das Wasser, so wie es in meiner Wohnung ankommt, ist recht kalkhaltig. Mit diesen Tabs hoffe ich die Lebenserwartung meiner ersten fabrikneu gekauften Waschmaschine zu erhöhen, ausserdem dürften die Tabs, wie wohl auch Weichspüler, Mineralien aus dem Wasser binden und es damit weicher machen.
Aber woher weiss ich das, 
und warum kann ich waschen?

Mittwoch, 21. Januar 2015

Charlie Hebdo

Warum gibt es eigentlich noch keine Verschwörungstheorie über die Vorgänge um die Satirezeitschrift Charlie Hebdo?
Es wäre so einfach: 
ein kränkelndes Druckerzeugnis sucht Wege zur Steigerung der Auflage, und kommt auf die geniale Idee, einen Anschlag zu inszenieren, der nicht nur die Auflage um ein Vielfaches steigert, sondern sogar zusätzlich die Lohnkosten senkt.
Oder ist das sogar Verschwörungstheoretikern zu simpel? Eigentlich fehlt ganz eindeutig der Mossad und natürlich auch die Illuminaten.

Dann denke ich mir eben selber etwas cooles aus:
Kein Mitarbeiter irgendeines Satiremagazins ist jemals tatsächlich auf dem Mond gewesen.

Montag, 19. Januar 2015

einzigartiges Ereignis

Heute würde Jannis Joplin, die am 19.01.1943 geboren wurde, Ihren 72. Geburtstag feiern, wenn sie nicht im zarten Alter von 27 Jahren verstorben wäre.
Bemerkenswert ist, dass dieses heutige Ereignis, 
also das 72. Jubiläum ihrer Geburt exakt der Umkehrzahl ihres Sterbealters entspricht. 
Das ist seltener ist als eine totale Sonnenfinsternis.
Es ist sogar gar nicht so unwahrscheinlich, das sich dieses Ereignis niemals wiederholt. 
Die Tatsache, dass ich diesen Tag erleben darf, ist ergreifend und bewegt mich natürlich sehr.

Donnerstag, 15. Januar 2015

darwinistische Marienkäfer

In jedem Jahr, wenn es ausserhalb meiner Wohnung, dem Teil der Welt, den ich gern als 'Draußen' bezeichne, kalt wird, habe ich ein 
Flüchtlingsproblem: Marienkäfer!
ladyBugs
Die armen Käfer wissen gar nicht, dass sie in freier Wildbahn einfach in Winterstarre fielen, und sogar leichten Frost überlebten, statt zu erfrieren.
Darum kommen sie, wenn sie kalte Füsschen bekommen, lieber in meine Wohnung.
Schlecht informiert zu sein ist, wie Funny van Dannen unlängst erkannte,  auch eine Behinderung.
Ich nehme sie alle auf, und gäbe ihnen gern kostenlose Mahlzeiten, so ich denn irgendwo frische Blattläuse auftreiben könnte.
Ich habe nichts gegen Flüchtlinge. Sie sprechen meine Sprache nicht, sind grösstenteils sogar integrationsunwillig, und nur die allerwenigsten sind klassische mitteleuropäische karminrote 6-Punkt Marienkäfer. Mir ist das egal.
Auf meiner Fensterbank gibt es jedoch allerlei Fallstricke, wie die fleischfressende Venus Fliegenfalle, die, wie es scheint, auch gern einmal etwas knuspriges isst. 
Auch verfallen einige der Wintergäste scheinbar in Depressionen und ertränken sich in dem flachen Wasser der Pflanzenuntertöpfe.
Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, und wenn es draussen wieder wärmer wird, werden einige reglos auf meiner Fensterbank liegen und geholfen haben, den Genpool der Marienkäfer zu filtern und zu sortieren.